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Island - Feuer und Sonne

 

Wir, 2 Professoren, 4 Betreuer, 27 Studierende und ein Gast reisten 17 Tage land in Zelten quer über den Mittelozeanischen Rücken Islands, begrüßt von Vulkanen, Flüssen, Wüsten, Wasserfällen, Schafen und überraschend viel Sonnenschein.

Uns erwarteten Lektionen über unterschiedliche Prozesse in vulkanischen Systemen sowie der daraus folgenden Phänomene. Nebenbei erlernten wir das Führen eines Feldbuchs und erhielten einen Einblick in die Organisation einer Exkursion.

 

Sozialer Teil


Üblicherweise, noch bevor wir ins Lager einzogen, ging es mit dem Bus zum Einkaufen. Toastbrot, Milch und Obst wurden in rauhen Mengen eingekauft um die Vorräte für das Frühstück und die selbst geschmierten Brote für den Tag zu bilden. Direkt nach dem Zeltaufbau, fingen die Kochgruppen an, ihrer Tätigkeit nachzugehen und den Küchenwagen zum Zentrum des Lagers umzuwandeln. Dafür bildeten sich bereits am Flughafen die ersten Kochgruppen und planten die Menüs für die darauffolgenden Abendessen. Gerichte, wie unter anderem Chilli con Carne, Fischpfanne mit Dillsauce und Bratkartoffeln mit veganer Käsesauce, sorgten für eine gute Stimmung nach ereignisreichen Tagen. Gegessen wurde meist unter blauem Himmel, denn wir befanden uns glücklicherweise zu günstigem Wetter auf Island. Später zogen wir uns ins Gruppenzelt zurück, wo wir uns bei einem Bier einem entspannten Abend machten, uns über das Gesehene austauschten oder einfach Karten spielten.

Ballspiele, Hammerboule sowie ein gemeinsamer Ausflug zum Baden in heissen Quellen. Unser einheimischer Busfahrer ermöglichte uns die kulturelle Konfrontation mit der traditionellen isländischen Spezialität "Gammelhai". Der dazugehörige Schluck Schnaps hinterher sorgte dafür, dass dieses Erlebnis nicht gar zu eindrücklich wurde. Zwischen den Aufschlüssen verbrachten wir unsere Zeit meist ereignislos, eher dösend, im Bus. Schafe zählen trug zu unserer Müdigkeit noch bei. Diese Standen in Zweier- oder Dreiergruppen auf den Rändern von Grasinseln die von der großflächigen Bodenerosion übrig geblieben sind.

Abwechslung boten uns Flussdurchquerungen sowie ein etwa Kopfgroßer Fels, der sich zwischen zwei Hinterreifen verkeile und somit zu einem amüsanten Tauziehen um den Geländebus führte. Glücklicherweise mussten wir diese Nacht nicht unfreiwillig in der Wüste des Hochlands verbringen.

Geologischer Teil


Die großen Zentralvulkane Islands bildeten häufig das Ende einer Tagesetappe. Dabei wurde uns deutlich, dass diese gewaltigen Berge trotz ihrer Größe in den weiten Ebenen der Flutbasalte doch nur Ausnahmen darstellen, wobei jeder von ihnen doch über individuelle Charakteristika verfügte. So durchquerten wie die 10 km weite Caldera des Krafla mit ihren 35 Jahre jungen Lavaflows sowie den hydrothermalen Feldern. Auch campierten wir am Fuß der Askia, unter unseren Zelten nur Asche, vulkanisches Glas und Bimsstein.

Wirtschaftliches und Touristisches Interesse treffen in den hydrothermalen Gebieten auf einander. Die farbenfrohen Berge der Landmannalaugar stehen in scharfen Kontrast zu den Industriegebäuden und Leitungssystemen im geothermal besonders aktiven Bereich in Hellisheidi, von woaus manchmal Schwefelwolken den Einwohnern Reykjavíks (aufgrund des Geothermalkraftwerks) einen unangenehmen Geruch in die Nase setzen. Wissenschaftler eines Forschungsprojekts zur beseitigung des Geruchs stellten uns die dortigen Anlagen vor und berichteten aus ihrem Erfahrungsschatz. Schwefel trat jedoch auch aus natürlichen Quellen auf, wo er beispielsweise aus brodelnden Schlammlöchern auskochte, in hübschen, blütenartigen, gelb-weissen Mustern auf dem Boden ausfiel oder termitenhügelartigen Sulfataren ausrauchte.

Schön anzusehen und weniger geruchsintensiv waren wiederum die Geysire Islands mit ihrem Namensgeber Geysir, der jedoch mittlerweile nicht mehr regelmäßig aktiv ist, sondern nur bei größeren Erdbeben für kurze Zeit wieder zum Leben erwacht. Ein heftiger, jedoch kurzer Rüttler entpuppte sich als ein Erdbeben der Stufe 4,6 auf der Richterskala, mit dem Island uns am letzten Tag doch positiv überraschte.

Tagtäglich wurden wir von Wasserfällen auf unserem Weg überrascht. Obwohl wir ein grundliegend gleiches Konzept hinter ihnen erkannten (meist die Kante eines Lavaflow über Sediment, durch das sich ein Fluss fraß), hatte jeder von ihnen ein eigenes mal mehr schönes mal mehr beeindruckendes Aussehen. Highlights unter ihnen Hafragilsfoss, welcher eine enorme Sedimentlast führt. (Eine Szene aus dem Sci-Fi-Kinofilm "Prometheus" wurde dort gedreht). Auch "Gjain", wo ein kleiner Wasserfall eine traumhafte Oase geschaffen hat.

Der für die Geologie Islands prägendste Teil unserer Exkursion waren die Grabensysteme des Mittelozeanischen Rückens mit ihren Spalteneruptionen. Diese lassen sich in Island optimal an der Oberfläche betrachten. So konnte anhand der Isländischen Aufschlüsse die Theorie der Kontinentalverschiebung gestützt werden. Schön für uns zu erkennen war, dass es sich nicht um eine durchgehende Spalte handelt, sondern um ein sogenanntes Schwarmsystem mit versetzten Klüften. Für die erhöhte Spreizungsrate ist auch der unter Island liegende Hotspot verantwortlich, der dem System vom traditionellen MOR abhebt. Dieser speist mit seiner Hitze unter anderem den 2010 medial bekanntgewordenen Eyjafjällajoküll.

Fazit


Ein erstes Fazit konnten wir in der bequemen Hütte unseres Busfahrers, welcher uns eingeladen hat, die ersten Gäste in seiner neuen Pension (Gudni Guesthouse) zu sein. Wir hatten bis auf einen echten Vulkanausbruch nun alles erlebt, was Island geologisch zu bieten hat. Die fähige Anleitung unserer Professoren, die Organisation durch unsere Betreuer sowie die von unseren KomilitonInnen ausgearbeiteten Vorträge haben unsere Tage bereichert. Zusammen mit dem perfekten Wetter, den netten Leuten und dem immer ausgezeichneten Essen können wir von einer sehr gelungenen Exkursion sprechen. Ausserdem konnten wir alle am Ende sogar unisono und spontan den "whistle song" aus "Kill Bill" zum besten geben. Na wenn das sich nicht gelohnt hat!