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Fieldwork in Afrika

Jambo!

Von Mitte Februar bis Anfang März 2013 bereiste eine Gruppe von 15 Studierenden und drei Betreuern den Süden Kenias und den Norden Tansanias im Rahmen einer 19-tägigen geologischen Exkursion. Die Logistik wurde vor Ort organisiert von Dietmar Zühlke und seiner Firma Challenger Adventures, er und seine Fahrer Mutemi, Ricci und Siri brachten die Gruppe in vier Landcruiser-Jeeps sicher durch den chaotischen Verkehr in Nairobi und Arusha und über die staubigen heißen Pisten im ostafrikanischen Graben. Zudem konnten sie zur Tier- und Pflanzenwelt sowie den traditionellen Besonderheiten der Stämme viel erzählen.

Die Exkursionsroute entlang der kenianisch-tansanischen Grenze (Kartenquelle: Google Maps).

Unterwegs in der Massai-Steppe, links die Usambara-Berge (T. Bolte).

Die Route führte zuerst von Nairobi nach Süden in den Amboseli-Nationalpark. Hier zeigte sich, neben der ersten Begegnung mit der afrikanischen Tierwelt , besonders den vielen Elefanten, der Kilimanjaro beim schönem Wetter von seiner besten Seite. Auch in den folgenden Tagen sollte der höchste Berg Afrikas mit seinen schwindenden Gletschern immer wieder ein beliebtes Motiv aus verschiedenen Richtungen sein. Nachdem die Grenzformalitäten in Tarakea nach etwa zwei Stunden erledigt waren, ging es über den Nordosten des Kili hinein nach Tansania. Die Basalte und Ankaramite des Mawenzi im Osten des Kilimanjaro-Massivs und die Lebensweise des dortigen Chagga-Stammes war in den nächsten Tagen Schwerpunkt. Die Chagga teilten gern das frisch gebraute Bananenbier und das passende Rezept dazu mit den Reisenden aus dem Norden. Das Bananenbier erfüllt zwar nicht ganz die Anforderungen des bayerischen Reinheitsgebots von 1516, erfrischt aber trotzdem sehr bei schwül-warmem Wetter.

Morgen im Camp im Amboseli-Park mit dem Kilimanjaro im Hintergrund (T. Bolte).

 Von den dicht bewachsenen Hängen und blühenden Gärten am Mawenzi führte die Tour weit nach Südosten zu den Usambara-Bergen. Auf dem Weg dorthin durchquerte der Konvoi die endlose trockene Massai-Steppe mit ihren roten Ferralsolen, gelegentlichen Windhosen, und ausgedehnten Sisal-Plantagen aus der Kolonialzeit. Die überwiegend aus proterozoischem Gneis bestehenden Usambara-Berge bilden einen beeindruckenden Kontrast zur oft grau-braunen Massai-Steppe: die Landschaft ist abwechslungsreich, grün und Anbaugebiet für verschiedenes Obst und Gemüse, darunter auch Äpfel und Kartoffeln. Somit ließ sich nach dem Besuch des verwinkelten Markts von Lushoto die Speisekarte etwas variieren, besonders die Soße zu den oft gekochten Nudeln. Großwild war hier nicht anzutreffen, aber Chamäleons und Wanderameisen erfreuten sich auch regen Interesses. Die dort weit verbreiteten rötlichen Lateritböden werden vor Ort zu Ziegeln gebrannt und zum Hausbau verwendet. Am etwa 1400 m hohen Irente-Aussichtspunkt hatte man nach einer langen Wanderung einen weiten Ausblick über die Massai-Steppe und die steile Flanke der Usambara-Berge, die eine der östlichen Begrenzungen des ostafrikanischen Grabens darstellen.

Blick über die Massai-Steppe am Irente-Aussichtspunkt (S. Schuth).

Nach zwei Tagen Geologie und Bodenkunde in den "alten" Bergen stand wieder der Vulkanismus auf dem Terminplan. Hierzu wurde der Mt. Meru bei Arusha angesteuert, Ziel war die 2500 m hoch gelegene Miriakamba-Hütte im Norden des Kraters. Unser Küchenwagen sollte die benötigte Ausrüstung zur Hütte bringen, während die Gruppe zu Fuß den Weg zurücklegt. Die Parkverwaltung ließ aber den Wagen diese Fahrt nicht machen. Also wurde improvisiert und nur die nötigste Kochausrüstung und das Essen auf Träger verteilt, die passenderweise auf Arbeit warteten. Mit einiger Verspätung ging es dann in Begleitung des Rangers Joseph mit seinem alten Mauser-Karabiner von 1908 hinauf zur Hütte. Die Kühle im Krater des Meru war eine angenehme Abwechslung zur Hitze der letzten Tage, und bei Sonnenaufgang war der Kili ein beliebtes Motiv für die Fotografen. Der Krater des Meru bot neben zahlreichen geologischen Stopps zu phonolithischen Magmen auch gemütliche Rastplätze im Schatten von moosbehangenen Bäumen und an kleinen Wasserfällen.

Der Kili vom Krater des Meru aus gesehen (S. Schuth).

Die Kühle und Abgeschiedenheit am Meru wurde durch die Hektik und das Chaos in Arusha abgelöst. Die Stadt bot aber nach mehr oder weniger langer Suche alles, was für die nächsten Tage benötigt wurde: neue Schuhe, Obst, Telefonkarten, Wasser, Konyagi, und noch einmal eine angenehme Unterkunft in der gemütlichen Bamakambi Lodge mit ihrem freundlichen Service und umfangreichen leckeren Essen. Dann ging es weiter nach Westen quer durch den Ostafrikanischen Graben, vorbei an jungen und alten Vulkanen, ausgetrockneten Seen, und immer bei flimmernder Hitze über zum Teil staubige Pisten. Schließlich erreichten wir nach einem Stopp am Maar Hole of God den aktiven Karbonatitvulkan Ol Doinyo Lengai, der mit seinem teilweise hellen Gipfel und einer einsamen weißen Wolke darüber schon von Weitem auffiel.

Der Ol Doinyo Lengai und sein Sonnenschirm (S. Schuth).

Der Aufstieg zum Krater des Ol Doinyo Lengai begann gegen Mitternacht, denn tagsüber lag eine bleierne Hitze über dem Land, so dass jede Tätigkeit schweißtreibend war. Vier Bergführer begleiteten die Gruppe auf ihrem anstrengenden Weg am Berg der Götter. Der kräftige Wind ließ bald nach, und der Vollmond sorgte neben den Stirnlampen für genügend Licht. Nach etwa fünf Stunden wurde an einer einigermaßen windgeschützten Ecke eine längere Rast eingelegt. Nach und nach fanden sich die Bergsteiger wieder zusammen. Rettungsdecken halfen gegen die ungewohnte Kühle, Kekse wurden verteilt, und die Stille genossen. Unsere Guides legten sich ohne Umstände hin und machten ein ausgiebiges Nickerchen. Etwa eine Stunde später ging es weiter, und kurz vor Sonnenaufgang erreichten wir den Kraterrand. Hier bot sich eine großartige Rundumsicht: im Osten waren der Kili, Meru und Kitumbeine zu sehen, im Westen und Süden das Kraterhochland mit dem Ngorongoro, und im Norden der Natronsee. Das ehemalige Gipfelplateau des Ol Doinyo Lengai mit den Hornitos ist beim Ausbruch von 2007 eingestürzt, aber im etwa 130 m tiefen Krater konnte eine erneute Förderung von schwarzer Karbonatitlava und die Bildung neuer Hornitos beobachtet werden.

Eruption von schwarzer Karbonatitlava im Krater des Ol Doinyo Lengai (T. Bolte).

Nachdem das Gipfelbier geleert war, ging es wieder bergab, zum Glück vorerst im Schatten des Vulkans. Wegen des steilen Geländes und der Asche war viel Trittsicherheit gefragt, aber ohne blaue Flecken und Schrammen ließ uns der Lengai nicht gehen. Während der letzten Stunde des Rückweges kam zum Staub auch die afrikanische Sonne hinzu, so dass die letzten Wasser- und Traubenzuckervorräte schnell verbraucht waren. Bei den Jeeps wartete endlich wieder kühles Wasser und Obst auf die verstaubten Rückkehrer.

Blick zurück zum Gipfel mit seinen älteren hellen Karbonatiten (S.Schuth).

Blick nach unten: viel Asche, viel Strecke, und schwindender Schatten (S.Schuth).

 

 Eine angenehme Abkühlung bot am späten Nachmittag ein Besuch der Engare-Sero-Wasserfälle, wo die Gruppe einen Einblick in die Geologie der Grabenschulter erhielt. Der Weg führte mal durch den Fluss, aber auch über Stock und Stein, so dass zumindest bei den Lengai-Kletterern auch die letzte Restenergie benötigt wurde, um die von reichlich Grün umgebenen Wasserfälle in einer Schlucht zu erreichen. Im Camp waren die Fahrer nicht untätig gewesen und hatten Vorbereitungen für das Abendessen getroffen. Neben den üblichen Nudeln mit einer Gemüsesoße gab es gegrillte Ziegenkeulen mit einer leckeren Salz-Knoblauch-Marinade nach Dietmars Art. Das Fleisch war eine willkommene Abwechslung, aber mancher war zu müde, um es ausgiebig zu genießen.

Am nächsten Morgen ging es nach einem kurzen Stopp am Ufer bzw. im nur aus Pfützen bestehenden Natronsee ins Hochland, in Richtung Serengeti. Das durchfahrene hügelige Land war weitgehend menschenleer. Nachdem die Basalte, Sedimente und proterozoischen Metamorphite der Grabenschulter durchquert und das Hochland erreicht war, waren auch die Temperaturen wieder auf ein erträgliches Maß gefallen. Der gut besuchte Massai-Markt in Wasso bot die Gelegenheit, frisches Obst und Gemüse zu kaufen und dabei mit den Einheimischen mit einem Gemisch aus Englisch, Swahili und viel Gestik um den Preis zu feilschen. Außerdem konnte man den einheimischen Mechanikern bei der Reparatur einer gebrochenen Autobatteriehalterung zusehen (die Piste verlangte inzwischen ihren Tribut) und ein improvisiertes Elektroschweißgerät begutachten.

Ausgetrockneter Teil des Natronsees (S. Schuth).

Nachdem wir den Rasen einer Schule bei Wasso als Campingplatz genutzt haben, ging es weiter nach Westen, zur Serengeti. Beim Besuch der ältesten Gesteine Afrikas und BIFs fuhren wir an zahlreichen Kopjes aus Granit bzw. Gneisen vorbei und gerieten schließlich auch in die Wanderung der Tierherden. Zahllose Gnus, Gazellen und Zebras durchqueren die weite Savanne der Serengeti auf der Suche nach Futter, aber auch Elefanten und Giraffen konnten oft aus der Nähe betrachtet werden. Die großen Katzen waren dafür umso schwerer zu sehen, aber eine Löwin mit ihren Jungen und ein Leopard waren dann doch nicht vor den Touristen geflohen. Mit vielen Eindrücken ging es ins gut ausgerüstete Camp zurück. Eine findige Geschäftsidee hatte der Besitzer von Zebra Refreshments: mit seinem kleinen Transporter tingelte er die verschiedenen Campingplätze ab, um dort nach Sonnenuntergang kühle Limos und Bier zu verkaufen. Der Preis pro Flasche war zwar deutlich erhöht, aber gute Kunden wie die Studenten aus Deutschland bekamen nach etwas Feilschen pro ca. 10 Flaschen ein Gratisbier, immerhin.

Verträumte Giraffe in der Serengeti (S.Schuth).

Kopje in der Serengeti (S. Schuth).

Bei der Fahrt aus der Serengeti in Richtung der Ngorongoro-Caldera standen wir nun vor dem Problem, dass der Motor unseres Küchenwagens nicht mehr zu starten war. Auch Dietmars Bemühungen, den Wagen in der Werkstatt in der Nähe des Besucherzentrums wieder fit zu bekommen waren mangels Ersatzteilen vor Ort erfolglos geblieben. So blieb nichts anderes übrig, als den Wagen mit einer Stangen-Ketten-Kombination in Schlepp zu nehmen und so nach Arusha zu bringen. Einige Stunden und viele Kilometer über steinige Pisten später lag vor uns das bewaldete Kraterhochland und die Ngorongoro-Caldera. Den Anstieg zum Kraterrand schaffte das Gespann auch, so dass das Schwierigste nun überstanden war. Vom Aussichtspunkt ließ sich fast die gesamte etwa 2 Millionen Jahre alte Ngorongoro-Caldera mit ihren 20 km Durchmesser überblicken, eine Durchquerung kam wegen der fortgeschrittenen Zeit und dem defekten Jeep aber nicht in Frage. So blieb es bei der Erklärung der relativ komplexen Geologie in einem Aufschluss am Kraterrand. Am Abend erreichten wir das Sunrise Camp in Karatu, das mit einer gemütlichen Bar, verschiedenstem Essen, und dem ersten kräftigen Regen seit unserer Ankunft in Afrika auf uns wartete. Zugleich war es auch der letzte Abend in den Zelten.

Die Ngorongoro-Caldera (S. Schuth).

Am nächsten Morgen ging es auf die letzte Etappe und zurück nach Nairobi. Unterwegs ließ sich die Geologie der Exkursion an einigen Stopps noch einmal betrachten: die Vulkanite des Hochlandes, der ostafrikanische Graben mit alten Seesedimenten und dem Salzsee Manyara, den Schlackenkegeln in der Umgebung des Meru, und Gneise des Berges Longido nahe der Grenzstation bei Namanga. Um 21 Uhr trafen wir wieder in der Herberge in Nairobi ein. Nach einem ausgiebigen Essen, ein paar Bieren, und einer viel zu kurzen Ruhepause wartete schon der Flieger Richtung Norden.