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Bericht der Italienexkursion 2013

von Mareille Wittnebel und Dawid Murawski

Am 18. Mai 2013 machten sich 12 Studierende und 5 BetreuerInnen auf den Weg nach Italien, um 10 Tage lang die Phlegräischen Felder und Äolischen Inseln zu studieren. Zusätzlich zu einem Überblick über unterschiedliche Vulkansysteme, deren Ablagerungen und Geschichte, bot sich die Möglichkeit, einen Ausbruch mit eigenen Augen und aus nächster Nähe zu betrachten. Bereichert wurde die Exkursion außerdem durch vulkanologische Präsentationen der Studenten über die besuchten Orte und typisch gute italienische Speisen und Getränke. Der Hauptaspekt war vor allem aber die Zusammenarbeit mit einer Gruppe italienischer Studierender der Universität Cosenza, mit denen wir einige schöne und ereignisreiche Tage verbrachten.

Zu Beginn unsere Reise waren wir zunächst in Pozzuoli, einer Stadt etwas westlich von Neapel. Auf dem Weg dorthin erlebten wir schon die verrückte Fahrweise der Neapolitaner und sahen die italienische Großstadt mit all ihren kuriosen und teils klischeehaften Gebäuden. Unsere Unterkunft für die folgenden drei Tage waren kleine Bungalows auf einem Campingplatz mitten in den Phlegräischen Feldern. Schon bei der Ankunft erwartete uns der durchdringende Schwefelgeruch der Fumarolen im nur wenige Meter entfernten Krater Solfatara.

Nach einer kurzen Nacht machten wir uns auf zum Mt. Somma-Vesuv, dessen Aktivität vor 0,5 Ma begann. Die heutige Caldera wurde bei der Eruption gebildet, welche Pompeij 79 A.D. unter sich begrub. Auch sahen wir die Lavaflows der letzten Eruption vom Jahre 1944. Ein wenig Geschichtsunterricht erhielten wir im vesuvianischen Observatorium, in dem noch Seismographen verschiedener Epochen und alle bisher vor Ort gefundenen Minerale ausgestellt sind. Nach einem Fußmarsch, der durch eine ausgiebige Mineraliensuche erheblich verlängert wurde, verbrachten wir noch etwas Zeit am Kraterrand, wo wir durch unsere Betreuer weitere Informationen zum Vulkan bekamen. Einblicke in die Ausmaße der Eruption von 79 A.D. erhielten wir bei einer Besichtigung der Ausgrabungsstätte „Herculaneum". Dort wurden im Gegensatz zu Pompeij nur Skelette gefunden, was auf die heißen Dämpfe des Ausbruchs zurückzuführen ist.

Strandpromenade in Procida. © M. Wittnebel

Ein Highlight der ersten Tage war der Besuch der Insel Procida. Dort erfuhren wir Vieles über die sedimentologischen Aspekte vulkanischer Ausbrüche in Form von lokalen Ablagerungen einiger Vulkane aus der Umgebung. Auch die Begriffe „Surge", „Flow" und „Fall" sollten uns von da an verfolgen. Außer vielen geologischen Aspekten, hatte Procida auch schöne Strände zu bieten, die uns das erste Mal das Baden im Mittelmeer ermöglichten. Weitere Stationen waren außerdem der Monte Nuovo, Averno Lake, sowie der Sandsteintempel in Cuma, welcher als Höhle in den „Neapolitan Yellow Tuff“ gebaut wurde.

Von Pozzuoli aus ging es mit der Nachtfähre auf nach Lipari, der größten der Äolischen Inseln nördlich von Sizilien. Die Insel Lipari ist geprägt von Bimsablagerungen, Lavadomes und -flows. Entstanden durch 4 vulkanische Phasen, waren die Produkte der ersten Phasen basaltisch/andesitisch und später rhyolitisch. Nach einer ca. 15-stündigen Fahrt inklusive Übernachtung in sehr kompakten „Zimmern", erwarteten uns auf der Insel wunderbares Wetter und eine tolle Unterkunft mit geräumigen Appartements mit Meerblick, sowie Balkonen und einer großen Terrasse. Der Eindruck der Insel mit dem kristallklaren Wasser (3 Minuten Weg zum Meer vom Appartement), der schönen Strandpromenade und dem Blick auf die Inseln Panarea und Stromboli hob auf jeden Fall die Stimmung nach der schlafarmen Überfahrt. Einige testeten auch direkt nach Ankunft das Meer.

Obsidianflow © M. Wittnebel

Am nächsten Tag trafen endlich unsere italienischen Kollegen aus Cosenza ein, mit denen wir sogleich die „Monte Guardia Pyroclastic Sequence” in einem nahegelegenen Bimssteinbruch kartierten. Hier wurden unsere Fähigkeiten bezüglich der Aufnahme eines stratigraphischen Profils auf die Probe gestellt, was jedoch alle Gruppen in deutsch-italienischer Zusammenarbeit gut meisterten. Natürlich erhielten wir auch die Hilfe unserer Betreuer, die sich gemütlich im Schatten der Zitronenbäume aufhielten. Wir besichtigten hier auch einen alten Kaolinsteinbruch und konnten sogar einen Obsidianflow betrachten. Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten wurden später beim deutsch-italienischen Abend  ausgezeichnet. Außerdem bereitete jedes Appartement landestypische Speisen zu, welche abends als Buffet, neben reichlich Bier und Wein präsentiert wurden. Nach dem offiziellen Teil mit Danksagungen und Ehrungen wurde viel geredet, gelacht und sogar ein Harlem-Shake durchgeführt! Ausgeklungen ist die Feier dann in den frühen Morgenstunden am Strand. Der ein oder andere hat eventuell beim Erklimmen des Stromboli an nächsten Tag das letzte Glas Wein des vergangenen Abends bereut.

Blick auf eine Eruption des Strombolis. © M. Wittnebel

Geologisches Highlight war das Beobachten von regelmäßigen, kleinen Eruptionen des aktiven Vulkans auf der Insel Stromboli inklusive Sonnenuntergang. Der Aufstieg zum 918 m hohen Aussichtspunkt war zwar anstrengend, doch nach den ersten feurigen Auswürfen war jede Müdigkeit vergessen. Der anschließende Abstieg in der Finsternis war noch eine Erfahrung für sich. Zu guter Letzt besuchten wir noch die Insel Vulcano und erklommen den 391 m hohen La Fossa Krater der letzten Eruption von 1890. Die dortigen Schwefelfumarolen am Kraterrand luden so manchen zu einem Spaziergang ein. Etwas später besichtigten wir noch das Lava-Plateau von Vulcanello, welches zwischen 1000 und 1500 A.D durch Lavaflows aus 3 Konen entstand. Ganz Mutige trauten sich, ein kurzes, aber intensives Bad im heißen Schwefelschlamm zu nehmen (und haben auch sicherlich heute noch etwas davon).

 

Nach vier tollen gemeinsamen Tagen und vielen schönen und lustigen Momenten mit den italienischen Studenten hieß es schon wieder Abschied nehmen. Unsere Truppe war plötzlich wieder nur halb so groß und um einiges stiller, aber wir werden in Kontakt bleiben! Am letzten Tag gönnten wir uns noch eine entspannte Bootstour um die Nachbarinsel „Salina". Durch die vulkanologisch-historischen Ausführungen von Paola sahen wir noch den Pollara Tuffring, eine ehemalige Küstenlinie nach einer Meeresspiegeländerung, trockenliegende Flussbetten und eine vermutliche fossile kleine Magmakammer. An einer Stelle ohne Feuerquallen hatten wir noch einmal einen kleinen Badespaß vom Boot aus im offenen Meer mit Blick auf den Ätna. Zurück ging es wieder per Nachtfähre nach Neapel (inklusive Stromboli-Eruptionen bei Nacht und dem Anblick von Leuchtquallen im Wasser unter uns), wo wir uns noch einen Nachmittag lang selbst in der Stadt beschäftigten.

Fazit

Abschließend ist zu sagen, dass wir eine tolle Zusammenarbeit mit unseren italienischen Kollegen hatten! Uns wurde ein Einblick in die unterschiedlichen Facetten der Vulkanologie gegeben, welche zur Überraschung Vieler aus mehr Sedimentologie und Strukturgeologie besteht, als gedacht. Aber auch die Petrologie kam natürlich nicht zu kurz und wir erfuhren einiges über Prozesse in Magmakammern und Magma-mixing und -mingling. Einen bleibenden olfaktorischen Eindruck hinterließen vor allem die Schwefelfumarolen, die sowohl in Neapel als auch auf den äolischen Inseln vorkommen. Dank kompetenter Betreuung, vorbildlichem Wetter und einer spontanen und flexiblen Tagesplanung, konnten wir die Exkursion sehr genießen. Für viel Erheiterung sorgte auch unser Hausmeister Cosimo, hinter dem wir den in Ruhestand gegangenen Frank Zappa vermuten. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch unserer Versuche Italienisch zu sprechen („Ciao, ciao, ciao, ciao..."). Wir erhielten Wissen über wertvolle Fachbegriffe und die Worte „surge“ und „flow" sowie „pumice" und „imagine" (nach Guido-Art) werden uns noch lange erhalten bleiben! Zum Schluss noch der Dank an „unsere“ Italiener Sara Fanara und Francesco Vetere für die Organisation dieser tollen Exkursion.